Lawinenstift, entspannt, Illustration

Illustration? – Warum wir auf eine alte Technik setzen!

Die Älteren werden sich gewiss erinnern, einen neuen Videorecorder anzuschließen, ohne auf die Illustration zu schielen, glich dem Erlernen einer afrikanischen Klicklautsprache an nur einem Nachmittag. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber dank der in der mitgelieferten Gebrauchsanleitung enthaltenen Illustrationen konnte man am Ende einer mühseligen Plackerei endlich mit der Aufzeichnung aus dem TV-Geräten beginnen und dem Videoverleih zu einem glanzvollen Siegeszug durch die Wohnzimmer der deutsche Haushalte verhelfen.

Die Zeiten sind vorbei und eine Videothek nach der andern schließt die Pforten und die jüngere Generation betrachtet Videokassetten mit dem selben Interesse wie der Autor Fossilien-Funde am Strand der Ostsee. Geblieben aber ist die Illustration, die immer da eingesetzt wird, wo es kompliziert wird oder unterhalten soll.

Ein Grund für uns bei lawinenstift einen Blick auf die Geschichte und den Nutzen von Illustrationen zu werfen und zu erklären, warum wir eine eigene Illustration-Abteilung aufgebaut haben.

Schon lange vor der Erfindung der Buchdruckerkunst, also der Möglichkeit der technischen Vervielfältigung von bis dahin einzigartigen Buchunikaten, die nur in mühseliger und zeitraubenden Arbeit kopiert werden konnten, wurde die Illustration eingesetzt. Zur Unterhaltung und auch zur Wiedererkennung, quasi wie eine aufwendige Signatur. Auch in antiken Buchrollen findet sich Illustrationen.
Ihren Siegeszug in Europa konnte die Buch-Illustration, denn das war das Massenmedium der damaligen Zeit, vor allem durch die Reformationszeit starten. Mit Hilfe des Buchdruckverfahrens und des Holzschnitts (später kamen Kupferstich, Xylographie und Lithographie und zahlreiche andere Illustration-Techniken dazu), war man in der Lage, wichtige Information festzuhalten und zu verbreiten (heute würde man dies als Content-Seeding bezeichnen). Und da man sich auch damals schon Gedanken über seine Zielgruppe gemacht hat, wie es sich für eine richtige Content-Strategie gehört, wussten die Reformer auch, das ihre Zielgruppe zumeist aus Analphabeten bestand. Damit der Content aber auch von jedem wahrgenommen werden konnte, entschied man sich, fast zwangsläufig, für den Einsatz von Illustrationen. Und zwar auf Blättern die einseitig bedruckt und dann über fahrende (fliegende) Händler verteilt wurden. Die Flugblätter gab es zwar schon lange vorher, vor allem zu kommerziellen Zwecken und sie waren keineswegs kostenlos, aber in der Reformationszeit wuchs ihre Zahl exponentiell an. Man könnte sagen, waren die Flugblätter vor der Reformationszeit wie die Bildzeitung, so wurden sie in der Reformation zum Twitter ihrer Zeit. Der Rest ist (illustrierte) Geschichte. Und in Brandenburg haben die Kinder nun den Reformationstag und schulfrei.

Illustrations-Formen

Mit dem Aufkommen der Fotografie rückte die graphische Illustration wieder etwas in den Hintergrund und die erklärende Illustration entwickelte sich zur Informationsgrafik.
Weitere Entwicklungen sind vor allem die wissenschaftliche Illustration, wie die Bebilderung von Kräuterbüchern und Atlanten. Die große Popularität von Alexander von Humboldts Werken ist vor allem durch seine exzellenten Illustrationen und Bildtafeln z.B. des Chimborazo zu erklären, von denen Goethe so hingerissen war, dass er seinen Band tagelang nicht aus den Händen legte (und vorher schier verzweifelte, weil in seinem Band vergessen wurde, die Illustration beizulegen)

Alexander-von-Humbold, Illustration, Chimborazo

 

 

 

 

 

 

 

Weiterhin gibt es die Literatur-Illustration, die wohl ab Mitte des 19. Jahrhunderts den größten Einfluss auf die Verbreitung der Illustration überhaupt hat. Angestoßen wurde dies durch den Gedanken an eine handwerkliche Gediegenheit und gleichzeitige Schönheit von Gebrauchsgegenständen der „Art and Crafts“ Bewegung in Endland und galt in besondrem Maße für das Buch.

In den letzten 50 Jahren hat die gewerbliche Illustration und die redaktionelle Illustration wieder stark zugenommen und das ist für uns als Kreativagentur natürlich von größter Wichtigkeit.
Die gewerbliche Illustration wird vor allem da ein gesetzt, wo ein Betrachter so schnell wie möglich eine entscheidende Information visuell vermittelt bekommen soll, oder eine Emotion schnell aufgerufen werden muss. Klassische Anwendungsbeispiele sind hier natürlich die Gebrauchsanleitung (wer den Text bis hierhin gelesen hat, der erinnert sich bestimmt wieder an das vermaledeite Videorecorder-Beispiel) oder Explosionszeichnungen wie bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Das, das sei nebenbei bemerkt, die Welt in tumultartige Zustände versetzen würde, wenn ihre Möbelteile ohne Illustrationen geliefert würden.

Eine Illustration sagt mehr als tausend Worte

Versuchen Sie mal, ohne langen Text eine Stimmung einen „Mood“ wie aggressiv oder modern zu vermitteln. Oft stehen Ihnen als Werbetreibender nur Sekunden oder kleinste Flächen zu Verfügung, um Ihre Botschaft an den Mann zu bringen und was eignet sich denn besser als Sachverhalte oder Stimmungen in Form von Illustrationen zu vermitteln? Nicht überzeugt? Na, dann schauen Sie sich mal dieses Pictogramm (eine weitere Form der Illustration) an, das fast überall auf der Welt erkannt wird und vor peinlichen Zwischenfällen bewahrt:

pictogram-maennlich-weiblich-illustration

Sehen Sie, bis ich Ihnen das in Worte gefasst habe, dürfte es für Sie schon zu spät gewesen sein!

Wie lawinenstift die Illustration einsetzt

Wir setzen Illustrationen aber auch da ein, wo wenig Öffentlichkeit vorhanden ist, aber die Kosten im Auge behalten werden müssen (Below the Line-Illustrationen). Beispiele sind hier die Entwicklung von Layout-Präsentationen oder Storyboards, die für unsere Kunden in der ersten Phase nur kurz visualisiert werden, um den springenden Punkt rüberzubringen und nicht ein fertigen 3D-Film hinzulegen, der später vieleicht aber nicht beim Kunden überzeugen kann.
Auch die neuen Medien und sozialen Netzwerke wie Twitter, Facebook, Instagram und Co tragen dazu bei, dass sich die redaktionelle Illustration großer Beliebtheit erfreut.
Wie schon weiter oben beschrieben, eignet sich kaum was anders so gut, um in wenigen Bruchteilen von Sekunden die Menschen zu erreichen. Anders ist der Sozial Media-Hype um eine illustrierter Taube, die Millionenfach geteilt wurde und es sogar in die Tagesschau geschafft hat, auch gar nicht zu erklären. Der Text: „Eine violette Taube mit großen Augen bewegt Ihren Kopf samt Schnabel Richtung Boden und wieder zurück“ ist zwar noch innerhalb der 140 Zeichen-Grenze, aber ich wage zu bezweifeln, dass er sich so teilen würde, wie es die Original Trash-Dove von der Illustratorin SydWeiler getan hat.

Trash Dove Illustration